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Heute mal ernst: Aufschrei eines Lebensmittelsensibelchens!

Lebensmittelunverträglichkeiten sind eine Art Trend. Bald hat jeder eine. Glutenfrei ist das neue Made in Germany und steht fast überall drauf. Bald bestimmt auch auf Äpfeln. Zeitungen, Zeitschriften und Blogs berichten über die Auswirkungen tatsächlicher und vermeintlicher Unverträglichkeiten. Und gerade als mich dieser Hype um den sensibelsten Verdauungstrakt am allermeisten nervte, bekam ich selbst die Diagnose Weizenunverträglichkeit. Das ist jetzt knapp zwei Monate her und weil ich ziemlich oft darauf angesprochen werde, auch weil ich auf Instagram ja ständig mein Essen fotografiere (ich Opfer, ey!), schreibe ich heute einfach mal darüber.

Im Diner gibt's für mich Burger ohne Brötchen und Gemüse ist ja sowieso ein Freund.
Um mal direkt zu Beginn drastisch auszudrücken, was mir gerade ziemlich auf dem Herzen liegt: Am Ende ist in diesem wirren Spiel immer der, der wirklich etwas nicht verträgt, der Gearschte Leidtragende.

In diesem Artikel der Zeit wird ziemlich einleuchtend erläutert, wie weit der Unverträglichkeitstrend inzwischen führt: Vermeintlich Betroffene geben vollkommen unnötig viel, viel mehr Geld für Lebensmittel aus, die mit Labels wie glutenfrei oder laktosefrei werben. Das ist, objektiv betrachtet, natürlich absoluter Blödsinn, aber wisst Ihr was? Mir ist das vollkommen egal. Wer sich das leisten kann und dadurch einen gesundheitlichen Vorteil verspürt, und sei es dann eben nur der Placebo-Effekt, kann sich so viele Spezialprodukte kaufen, wie er will. Der umgekehrte Fall, dass jemand wirklich spezielle Lebensmittel benötigt und diese ihn dann finanziell sehr belasten, bleibt in der Diskussion meistens außen vor.

Was ich ebenfalls schlimmer finde als das freiwillige Belasten des gut gefüllten Geldbeutels, und das geht in der aktuellen Diskussion um all die Pseudo-Sensibelchen leider ebenfalls unter, ist, dass diejenigen, die wirklich unter einer Allergie oder Unverträglichkeit leiden, nicht mehr ernst genommen werden. Da man, im Gegensatz zu z.B. Nussallergikern ja meistens nicht direkt anschwillt und nicht mehr atmen kann, sind die Symptome für Außenstehende weniger greifbar und werden deshalb oft leichtfertig abgetan. Das ist Mist und das ist gefährlich. Besonders, wenn sich zum Nicht-mehr-ernst-genommen-Werden auch noch ein ziemlich vages Halbwissen mischt.

Ein Beispiel? Also: Ich selbst habe eine Weizenunverträglichkeit. Das ist nicht das gleiche wie Glutenunverträglichkeit oder Zöliakie. Zöliakiepatentien reagieren auf Gluten, ich reagiere auf einen anderen Bestandteil des Weizens. Deshalb kann ich Roggen und auch Dinkel, obwohl dieser ja sehr nah mit Weizen verwandt ist, essen. Jemand der an Glutenunverträglichkeit leidet, kann das nicht. Deshalb ist es sehr, sehr ärgerlich, dass mir, seit ich darauf achte und bewusst nach weizenfreien Sachen frage, schon mehrfach Dinkelprodukte als glutenfrei angeboten wurden. In meinem Fall ist das nicht so schlimm, weil ich Dinkel ja essen kann, aber jemand, der wirklich glutenfrei leben muss, ... Ihr versteht die Krux, oder? Und auch umgekehrt gibt es die kleinen und großen Fallen. Noch ein Beispiel? Na gut. Viele der ausdrücklich als glutenfrei gekennzeichneten Produkte sind nicht für mich geeignet, da sie eine modifizierte Weizenstärke enthalten, aus der irgendwie das Gluten rausgeholt wurde - aber dadurch vertrage ich das Zeug auch nicht besser.

Feta is der Freund von Gemüse und ich liebe Sushi vom Restaurant des Vertrauens. Nur die Sojasoße muss ich mir extra besorgen.
Wenn ich zu Hause bin, ist meine Unverträglichkeit kein großes Thema mehr. Wir haben kein Weizenmehl und die paar Nudeln, die noch herumliegen, kann mein Mann irgendwann mal für sich selbst kochen, wenn ich nicht da bin. Ein bisschen komplizierter wird es, wenn ich außerhalb essen möchte, aber bislang hat jedes kleine und große, günstige und teure Restaurant etwas für mich auf der Karte gehabt oder speziell ein Gericht zusammengestellt. Selbst auf dem Weihnachtsmarkt, wo grundsätzlich jede Wurst im Brötchen serviert wird, habe ich meine Merquez bekommen. Nicht im Brötchen, sondern in mundgerechte Stücke geschnitten in einer Schale mit Pommes, aus der ich sie dann mit einem kleinen Pommespiekser aß, weil der Imbissstand keine Messer für die Kunden hatte. Mit anderen Arten von Unverträglichkeiten wird es eventuell größere Probleme geben, aber ich kann nur aus meiner Sicht schreiben, denn ich bin bei Weitem kein Experte.

Und nun? Der ein oder andere Leser fragt sich vermutlich schon seit einigen Zeilen, was ich mit diesem Post eigentlich sagen will. Ich will sagen, dass Ihr uns netten Leute mit Lebensmittelunverträglichkeiten ernst nehmen sollt und dass nicht jeder von uns ein neurotischer Pseudo ist. Ihr sollt auch wissen, dass uns die ganze Sache wirklich noch viel mehr nervt als Euch. Wir verstehen, dass Euch das überfordert, weil wir diese Ernährungsumstellung auch durchgemacht haben oder durchmachen, und deshalb essen wir auch gerne einen Abend lang mal nur Salat und Beilagen oder bringen unser eigenes Brot und unsere spezielle Sojasoße mit. Und wenn Ihr doch was extra für uns macht, freuen wir uns riesig, weil Ihr so nett an uns gedacht habt. 
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